22/07/2014

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Müssen Erwachsene anders lernen als Kinder?


Wir sind geradezu zum Lernen gemacht: Schon vor der Geburt beginnt der Lernprozess. Durch Erfahrungen und Eindrücke entstehen neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen im Gehirn und bestehende Bahnen werden verstärkt. Dieses Wissens-Netz wird über die Jahre hinweg ständig weitergesponnen, adaptiert und verstärkt.

Kinder machen Tag für Tag enorme Fortschritte – von einem Tag auf den anderen sprechen sie das erste Wort oder beginnen zu laufen. Wie flexibel aber ist das Gehirn eines Erwachsenen? Wie gut können Erwachsene Neues erlernen? „Verkalken“ unsere Gehirnzellen, wie es in einer Redewendung heißt?

Lange Zeit haben Forscher angenommen, dass neue Hirnzellen nur etwa bis zur Pubertät entstehen[1]. Aus diesem Grund plädieren noch heute viele Lehrkörper dafür, dass Erwachsene anders lernen müssen als Kinder.

Kinder lernen, ohne es zu bemerken, „implizit“, sagen die Lernforscher. Daraus leiten viele Forscher ab, dass Erwachsene nicht implizit lernen können und „deshalb ältere LernerInnen explizite Erklärungen brauchen“, betont Robert DeKeyser, Sprachlernforscher von der University of Maryland. Bleibt das mühelose Lernen wirklich nur ein Traum für Erwachsene?

Gibt es ein biologisch eingebautes Verfallsdatum für das sprachliche Lernvermögen?

Die Annahme, dass Erwachsene keine Nervenzellen mehr aufbauen können, wurde mehrmals wiederlegt: Bei einem Menschen im Säuglingsalter hat jede Gehirnzelle etwa 2.500 synaptische Kontakte, mit drei Jahren etwa 15.000.

Wissensnetz Lernen Kinder

Die höchste Anzahl an synaptischen Verbindungen besitzt der Mensch in der späten Kindheit. In der Pubertät verändert sich die Struktur der verschiedenen Gehirnareale, sodass sich die Zahl der Gehirnzellen insgesamt verringert. Dadurch gelingt es uns, besser zu planen und die Konsequenzen unseres Tuns abzuwägen.

Nach der Pubertät werden die Verbindungen mit einer Fettschicht ummantelt. Diese Schicht sorgt für schnellere Verbindungen zwischen den Nervenzellen, was die kognitive Leistung insgesamt verstärkt. Im Alter bleibt der synaptische Neu- und Umbildungsprozess jedoch größtenteils erhalten![2]

Berechnungen zeigen, dass wir Menschen in unserem Langzeitgedächtnis den Speicherinhalt von zwei Millionen CDs, das sind circa 1,4 Petabyte, ablegen können. Diese Informationen werden im Gehirn aber nicht 1:1 abgespeichert, sondern durchlaufen einen mehrstufigen Prozess, bei dem das Gehirn unbewusst unwichtige Information verwirft und bedeutsame Informationen an bestehende Verbindungen anhängt. Dieser Prozess dauert unser Leben lang an.

„Kinder verlieren mit der Zeit die Fähigkeit, Laute exakt nachzuahmen.“ Dieser Mythos ist falsch! Radfahren ist auch eine Fähigkeit – verlernen Sie diese nach ein paar Jahren etwa auch? Fähigkeiten mögen manchmal ein wenig eingerostet sein, jedoch kann man sie mit ein wenig Training wieder auf Hochglanz polieren. Wir Erwachsene sind es nicht mehr gewohnt, nachzuahmen, aber wir können es noch!

Traut sich ein Kind mehr?

gehirn-gerecht lernenDie Angst, Fehler zu machen, ist bei Erwachsenen wohl eines der größten Hindernisse beim Sprachenlernen. Erwachsene sind meist weniger risikobereit als Kinder. Wie gut und schnell jemand eine Sprache lernt, hängt deshalb auch von seiner Persönlichkeit ab. „Extrovertierte Typen, die einfach drauflos reden, haben es leichter“, sagt Robert DeKeyser, Sprachlernforscher an der University of Maryland. „Introvertierte Menschen lernen mehr für sich; viele haben ein großes Wissenspool, aber sie sprechen normalerweise nicht sehr flüssig, weil sie es nicht trainieren.“

Von nichts kommt nichts, so Vera F. Birkenbihl. Je mehr Sie üben, desto besser und schneller werden Sie die Sprache sprechen lernen. Man fängt sich eine Sprache ja nicht ein wie einen Fisch beim Angeln – üben muss man immer.

Sind die Umweltbedingungen im Kindesalter besser?

Wenn es nicht das Gehirn ist, dass uns das Lernen scheinbar schwieriger macht, was ist es dann?

„Ein Kind hat ja nichts anderes zu tun und ist hochmotiviert, sich verständigen zu können“, so Manfred Frühauf, Leiter der Chinesisch-Abteilung im Landesspracheninstitut Deutschland.

Diese Aussage ließ mich aufschrecken… Das ist doch genau die Antwort auf die Frage „Müssen Erwachsene anders lernen als Kinder?“

NEIN! Erwachsene können genauso Sprachen lernen wie Kinder – ohne Vokabellisten, ohne langweilige Lückentextübungen, etc. Motivation ist die geheime Zutat, die uns meist fehlt! Wolfgang Klein, Direktor des Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik in Nijmegen, sagt es so: „Suchen Sie sich jemanden, der die Zielsprache spricht. Und verlieben Sie sich.“ Warum sagt er das? Weil die Liebe eine sehr starke Motivation zum Sprachenlernen ist.

Kinder Sprachen lernen

Ich bin der festen Meinung, dass die Umstände als Kind nicht besser waren, sondern wir uns selbst das Lernen als Erwachsener um ein Vielfaches schwieriger machen. Wir beschäftigen uns lieber mit anderen Dingen – oftmals mehreren zur selben Zeit.

Lernmethode BirkenbihlAußerdem sind wir es nicht mehr gewohnt, gehirn-gerecht zu Lernen und zu Denken. Alles wird uns vorgekaut – in der Schule, in der Arbeit… Es gibt nur eine richtige Antwort auf offene Fragen. Uns wurde eingehämmert, Dinge auswendig lernen zu müssen, damit wir sie uns merken. „Vieles muss man halt einfach auswendig lernen“ – Das ist falsch!

Es mag anfangs ungewohnt sein, aus traditionellen Vorgehensweisen, die über Jahrhunderte hinweg übertragen wurden, auszubrechen. Doch wenn Sie es einmal wagen, dann kann das Aneignen von Fähigkeiten so einfach sein!

„Sprachen lernen wie ein Kind“ funktioniert! Wie? Das erfahren Sie unter www.brain-friendly.de bzw. der Birkenbihl-Methode:

  1. Vokabeln und Grammatik intuitiv ableiten und so ein Sprachgefühl wie in der Muttersprache entwickeln
  2. Zuhören und dadurch die notwendigen Nervenbahnen anlegen
  3. Ziel und Motivation vor Augen halten!

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[1] Hyltenstam, K. & Abrahamsson, N. (2003), Maturational constraints in SLA. In: C. J. Doughty & M. H. Long (eds.), The Handbook of Second Language Acquisition. Oxford: Blackwell, 539-588.

[2] Amberger, Walter (2007). Neurologische Probleme im Alter. In Rudolf Likar, Günther Bernatzky, Wolfgang Pipam, Herbert Janig und Anton Sadjak (Hrsg.), Lebensqualität im Alter. Therapie und Prophylaxe von Altersleiden. Springer.

Katharina Leitner

Über die Autorin / den Autor

Content Managerin und Bloggerin Katharina Leitner beschäftigt sich seit 2011 intensiv mit der Birkenbihl-Methode sowie den Kreativtechniken und Denktools von Vera F. Birkenbihl.

Seit 2014 arbeitet sie als selbstständige Online & Performance Marketerin: www.rucker-marketing.at

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