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Aussprache lernen und perfektionieren: Einfach zuhören

„Wie lerne ich am besten das Sprechen?“ Wir haben die Antwort für Sie: Der Schlüssel zur perfekten Aussprache ist das Zuhören.

Sprechen lernen durch Hören

Regeln für die Aussprache und Lautschriften sind Hilfstools, die für LehrerInnen und TrainerInnen geschaffen wurden. Viel einfacher und zielführender ist es, ganz einfach die Ohren zu spitzen: Zuhören ist der wichtigste Schritt, um eine Fremdsprache gut und akzentfrei sprechen zu können:

1. Zuhören und verstehen
2. Mitlesen (leise und laut)
3. Selbst sprechen

Haben Sie sich schon mal länger im Ausland aufgehalten? Wenn ja wissen Sie, wie leicht es fällt, in eine Fremdsprache einzutauchen, wenn man sie ständig hört. Sie entwickeln ein Gefühl für die Sprache, der Klang und die Melodie werden bekannt. Das liegt daran, dass das Gehirn ständig zuhört und das Gehörte verarbeitet. Es werden Nervenbahnen angelegt, die für das Sprechen der neuen Sprache benötigt werden. Synapsen für unsere Muttersprache sind bereits fest verankert. Doch neue Laute, die Aussprache und Sprachmelodie, sowie der Sprechrhythmus der neuen Sprache müssen erst abgespeichert werden, um später auf sie zugreifen zu können. Durch das einfache Zuhören bereiten wir unser Gehirn deshalb optimal auf das Sprechen vor.

In unserem Gehirn ist das Hörzentrum zwischen zwei anderen Zentren angesiedelt, die für Sprache zuständig sind. Die Areale sind also eng miteinander verknüpft. Unser Gehirn ist für das auditive Sprachenlernen wie gemacht.

Im ersten Schritt ist also das Zuhören wichtig. Zur selben Zeit – oder zeitversetzt als weiteren Schritt – kann das Gehörte übersetzt werden, um so eine Verknüpfung zu bestehendem Wissen herzustellen. Wir empfehlen die De-Kodier-Methode. Das ist eine Wort-für-Wort-Übersetzung der Fremdsprache in die Muttersprache. Wichtig dabei ist, mit ganzen Sätzen oder Texten zu arbeiten. Die De-Kodierung ergibt ein unschönes Deutsch, doch genau das hilft unserem Gehirn, die neue Sprache zu verstehen. In der Vertikalen, also von oben nach unten, lernen wir die Bedeutung der einzelnen Wörter – und zwar im Satzzusammenhang. In der Horizontalen, also von links nach rechts, lernen wir die Struktur und Grammatik der Fremdsprache. Dabei wird das Auswendiglernen von einzelnen Vokabeln oder Grammatikregeln vollkommen unnötig. Stattdessen lernen wir ähnlich, wie damals als Kind: intuitiv und mühelos.

Lerntipp: Immer in ganzen Sätzen lernen
Sich nicht auf ein einzelnes Wort zu beschränken, sondern immer ganze Sätze zu lernen, empfiehlt sich übrigens auch beim ganz normalen Vokabellernen. Das unterstützt nicht nur die Vernetzung, sondern kann auch vor mancher Sprach-Stolperfalle bewahren.

Imitation: Lernen wie ein Kind

Schon im Mutterbauch kommen wir das erste Mal mit Sprache in Kontakt und hören so verschiedene Stimmmuster, die wir uns schon vor der Geburt einprägen. Forscher haben bestätigt, dass Neugeborene auf die Muttersprache anders reagieren als auf neue, fremde Sprachen. In den ersten Monaten experimentieren wir mit Lauten, nach weiteren Monaten starten die ersten Sprechversuche. Ob Frühstarter oder Spätzünder – wir alle lernen durch Zuhören und Nachahmen. So ist es offensichtlich, dass auch Erwachsene durch auditives Lernen erfolgreich lernen. Einige entscheidende Vorteile haben Erwachsene jedoch: Sie kennen mindestens eine Sprache bereits, können viele Laute aussprechen, lesen und schreiben. Damit geht das Sprachenlernen noch schneller.

Und auch, wenn wir es nicht gerne hören: Es gibt keine Begabung für das Sprachenlernen. Motivation und die passende Lernmethode entscheiden darüber, wie Sie vorankommen. Sprachen lernen steht und fällt mit der Lernmethode. Deshalb ist der herkömmliche Fremdsprachenunterricht in Schulen meist nicht erfolgreich, weder kurzfristig noch langfristig. Das liegt vor allem daran, dass sich der herkömmliche Unterricht von der natürlichen Lernweise des Gehirns unterscheidet, denn Lernen ist ein automatischer und individueller Prozess.

Lerntipp: Mentale Einstimmung als Motivation
Ob aktiv oder passiv – es ist immer sinnvoll, das Lernen mit einer rezeptiven Phase zu beginnen. Das heißt, Sie hören einen fremdsprachigen Podcast, Musik oder sehen sich ein Video in der Fremdsprache an. Ziel ist es, durch Nachahmung zu lernen wie ein Kind.

Zwei Hörübungen, die Sie auf das perfekte Sprechen vorbereiten

1. Aktiv Hören

Unter „aktivem Lernen“ versteht man die aktive Auseinandersetzung mit dem Lerninhalt. Sie konzentrieren sich total auf das Lernen. Beim aktiv Hören geht es auch um eine aktive Übung: Fremdsprache hören und Muttersprache mitlesen. Wir nennen diese Übung auch Karaoke-Übung, weil sie dem Karaoke-Singen nahe kommt.

Dafür benötigen Sie eine Audio-Aufnahme eines fremdsprachigen Textes, den Fremdsprachentext selbst und eine Wort-für-Wort-Übersetzung des Textes in die Muttersprache (De-Kodierung). Die De-Kodierung können Sie selbst anfertigen, oder Sie nutzen einen Brain-Friendly Sprachkurs:

Nun geht es an die Hör-Übung. Starten Sie die Audioaufnahme und lesen Sie die De-Kodierung der jeweils unteren Zeile mit. Dadurch erlernen Sie die Bedeutung der Wörter, die perfekte Aussprache sowie die Form der Sprache (Grammatik).

2. Passiv Hören

Kann ich Wartezeiten im Alltag oder etwa die Zeit beim Kochen zum Lernen nutzen? Ja! Passiv Hören können Sie beim Zugfahren oder Kochen, unterwegs oder einfach gemütlich vom heimischen Sofa aus. Dabei geht es nicht wie bei herkömmlichen Methoden darum, sich angestrengt zu konzentrieren, sondern gerade ein entspannter Zustand in angenehmer Atmosphäre verspricht beim passiv Hören den größten Erfolg. Sie spielen einfach die Übungen (die Sie auch für das Aktiv Hören nutzen) im Hintergrund leise ab. Stellen Sie die Lautstärke sehr leise, sodass sie den Text gerade noch hören, aber nicht mehr gut verstehen können. Wir nennen das Passiv Hören auch Hintergrundhören.

Gehen Sie beim Hintergrundhören irgendeiner Routinebeschäftigung nach. Während des passiven Hörens werden die Worte und der Klang langsam vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis übernommen und Sie entwickeln ein gutes Sprachgefühl für die neue Sprache. Für das passiv Hören benötigen Sie keine zusätzliche Lernzeit, es geht nebenbei und ist super einfach – wie ein Mini-Urlaub. Je mehr Sie passiv Hören, desto schneller werden Sie das Sprechen meistern.

Nun sind Sie auf das Sprechen optimal vorbereitet. Von einem Tag auf den anderen werden Sie einfach drauflosplaudern und die Texte laut mitlesen wollen – und das mit perfekter Aussprache.

Wie lange sollten Sie passiv Hören? Wir empfehlen 6 bis 9 Tage (und Nächte, wenn Sie wollen). Wenn Sie sicher gehen möchten, empfehlen wir eine Selbstüberprüfung: Testen Sie sich selbst anhand eines Lückentextes oder einer Rekodierung (Rück-Dekodierung von der Wort-für-Wort-Übersetzung zurück in die Fremdsprache). Wenn Ihnen die Worte leicht einfallen, dann haben Sie den Text lange genug passiv gehört.


Lerntipp: Wiederholen Sie alles mindestens 3 Mal!
Wenn das Gehirn eine Fremdsprache ausreichend oft bzw. lange hört, beginnt es, diese zu verarbeiten und abzuspeichern. Wiederholungen sind dabei äußerst wichtig. Denn nur wenn das Gehirn immer wieder mit etwas konfrontiert wird, wird es als „merkenswert“ abgespeichert. Zum anderen ist für die Erinnerung wichtig, dass Inhalte an möglichst vielen unterschiedlichen Orten im Gehirn verankert werden. Hören Sie also möglichst viele verschiedene Texte – so kommen Wörter und Phrasen immer wieder und in unterschiedlichen Kontexten vor.

Sprechen üben mit der Übung „Chorsprechen“

Das Sprechen üben Sie am besten mit dem Chorsprechen. Dabei hören Sie die Fremdsprache und sprechen sie nach. Leicht ist es mit einem Text, den Sie bereits kennen und verstehen (zum Beispiel durch die Übung Aktiv Hören). Lassen Sie die Aufnahme laufen und sprechen Sie „im Chor“ mit. Alternativ können Sie „im Echo“, also mit ganz kurzem Abstand zum Originalsprecher, mitsprechen. Das Echosprechen ist anfangs etwas ungewöhnlich, aber nach ein paar Minuten gelingt es Ihnen bestimmt ohne Mühe.

Beim Mit- und Nachsprechen vergleicht Ihr Gehirn automatisch die Aussprache des Muttersprachlers mit Ihrer und kann die Unterschiede beinahe komplett ausgleichen, ganz automatisch. Je öfter Sie die Übung machen, desto besser wird Ihre Aussprache und desto eher meiden Sie einen „Ausländer-Akzent“.

Stellen Sie die Lautstärke des Originalsprechers so laut ein, dass sie gleich laut ist wie Ihre Stimme. Nach einigen Wiederholungen stellen Sie die Lautstärke der Aufnahme immer weiter zurück – bis Sie sie irgendwann gar nicht mehr hören.

Wann sind Sie bereit zum Sprechen? Im Idealfall reden Sie einfach drauflos. Das werden Sie auch, denn durch das Zuhören ist Ihr Gehirn super vorbereitet. Erinnern Sie sich: Fehler sind legitim. Irgendwann machten Sie keine mehr.


Lerntipp: Lernen Sie in Blöcken
Unser Kurzzeitgedächtnis ist begrenzt. In der Regel kann es nur 5 bis 9 Infoeinheiten auf einmal aufnehmen. Daher ist es effizient, in kurzen Blöcken zu lernen. Wir empfehlen 10-Minuten-Einheiten. In dieser Zeit kann sich das Gehirn gut konzentrieren. Außerdem profitieren Sie vom sogenannten „Spacing Effect“. Dieser besagt, dass unser Gehirn Informationen unbemerkt weiterverarbeitet, auch wenn wir uns schon längst auf etwas anderes konzentrieren. Lernen Sie 10 Minuten konzentriert und aktiv, arbeitet Ihr Gehirn etwa weitere 10 Minuten passiv weiter. Lernen Sie hingegen 60 Minuten aktiv, arbeitet Ihr Gehirn trotzdem nur 10 Minuten weiter. Kürzere Pausen sind also sehr sinnvoll, um effizient und erfolgreich zu lernen.

Sprechen lernen mit MOVIES©

Für das Sprachenlernen ist es auch wichtig, möglichst viele Sinne anzusprechen. Neben dem Auditiven ist das Visuelle ein sehr hilfreicher Faktor. Hier kommen Videos und Filme ins Spiel. Viele lernen schon mit Videos auf Youtube und anderen Videoplattformen. Brain-Friendly hat nun die MOVIE© Sprachkurse publiziert. Das ist eine TV-Serie, die speziell für das Sprachenlernen entwickelt wurde. Das Besondere ist die integrierte De-Kodierzeile. Am unteren Ende des Bildschirm ist der zweizeilige Text eingeblendet: Oben die Fremdsprache aus der Serie, darunter eine Wort-für-Wort-Übersetzung ins Deutsche. Synchron zum Video leuchtet das Wortpaar auf, wie beim Karaoke (Tipp: Damit wird das Chorsprechen noch leichter und vielleicht sogar zum neuen Lieblingshobby!?)

Die Texte gibt es auf der Lernplattform auch zum Ausdrucken oder Herunterladen  als De-Kodierung: Fremdsprache + Wort-für-Wort-Übersetzung.

Zusätzlich können Sie Übungsdokumente ausdrucken bzw. herunterladen:

  • De-Kodier-Übung: Fremdsprache + Platz zum selbstständigen Wort-für-Wort-Übersetzen
  • Re-Kodier-Übung: Wort-für-Wort-Übersetzung im Deutschen + Platz zum selbstständigen Rück-Übersetzen in die Fremdsprache. Diese Übung ist optimal zum Überprüfen Ihres Lernfortschritts!

Zuhören ist der wichtigste Baustein und der Garant für erfolgreiches Sprachenlernen und –sprechen. Denn über das reine Zuhören werden Aktivitäten zur Sprachverarbeitung in Gang gesetzt. Das klingt einfach – und das ist es auch. Probieren Sie’s aus!


Content Managerin und Bloggerin Katharina Rucker beschäftigt sich seit 2011 intensiv mit der Birkenbihl-Methode sowie den Kreativtechniken und Denktools von Vera F. Birkenbihl. Seit 2014 arbeitet sie als selbstständige Online & Performance Marketerin: www.rucker-marketing.at

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