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Die Birkenbihl-Methode: De-Kodieren und für welche Sprachen die Methode besonders gut geeignet ist

De-Kodieren bedeutet „entschlüsseln“ und ist ein Hauptelement der bekannten Birkenbihl-Methode zum Sprachenlernen. Es geht dabei darum, einen fremdsprachigen Satz bzw. Text Wort für Wort in die eigene Muttersprache zu übersetzen. Dadurch „entschlüsselt“ man die Fremdsprache Schritt für Schritt. Ein Satz wird als eine ganze Einheit gelernt. Wir lernen keine isolierten Vokabeln, sondern nur ganze Sätze und wir sammeln diese als „Satzschatz“ statt „Wortschatz“.

Beim De-Kodieren kommt es auf das eigene Entdecken an. Man de-kodiert Wort für Wort mithilfe eines Wörterbuches/Online-Wörterbuches. Gerade dieses langsame, Schritt-für-Schritt-Vorankommen unterstützt die natürliche Arbeitsweise des Gehirns.

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Wir haben ein eBook und einen Blogartikel zum Thema De-Kodieren verfasst: https://blog.brain-friendly.de/2018/04/einfach-sprachenlernen-mit-de-kodierung-nach-vera-f-birkenbihl/ und https://www.brain-friendly.de/books

Wenn man isolierte, fertige Ausdrücke und Wortpaare (z.B. Hund-Dog) vorgesetzt bekommt, kann das Gehirn damit nichts anfangen. Denn zu diesem Zeitpunkt wissen wir in der Regel noch nicht, wie das Vokabel angewandt werden kann und wie es in einem Satz „funktioniert“. Im Kontext hingegen, also im Satzzusammenhang, versteht man die Bedeutung des Satzes, die Intention und – dank der De-Kodierung – auch die einzelnen Wörter.

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Ist Grammatik-Lernen wirklich so schlecht? Einzelne Regeln auswendig zu lernen bringt wenig. Wir kritisieren das Grammatik-Lernen nicht schlichtweg, sondern empfehlen folgendes: Zuerst ein Gespür für die Sprache bekommen und die Bedeutung von Sätzen verstehen. Danach Grammatikregeln lernen. Erst, wenn man die Wörter eines Grammatikbeispiels wirklich versteht, kann man auch die Regel dahinter verinnerlichen. Natürlich ist Grammatik wichtig! Genauso wichtig ist es aber auch, wie sie gelernt wird (pauken vs. intuitives Lernen).

Wir stellen Ihnen auch Fremdsprachen vor, die sich zum De-Kodieren besonders gut eignen. Dabei haben wir uns heute auf Sprachen mit fremden Schriftsystemen fokussiert: Japanisch, Koreanisch, Chinesisch und Russisch.


JAPANISCH

Da der lautliche Aufbau der japanischen Sprache sehr einfach und beschränkt ist, muss sie gleichzeitig auch mit einem sehr begrenzten Bestand bei der Wortbildung auskommen. Die Folge ist, dass Wörtern mit völlig verschiedener Bedeutung derselbe Laut zugeordnet wird. Es entstehen sogenannte „Homophone“. So gut wie jedes einsilbige Wort hat mehr als eine Bedeutung: z. B. „e“ = Bild, Griff etc. Selbst bei zwei- oder mehrsilbigen Wörtern begegnet man im Japanischen Homophonen: „sake“ = Reiswein, Lachs etc. Im Deutschen hingegen haben wir nur sehr selten mit diesem Phänomen zu tun: z. B. „Schloss“ als Schlossgebäude und „Schloss“ als Schließanlage. Diese Homophone können nur sehr mühsam durch das Schriftbild, durch (speziell für Europäer und Amerikaner) schwer erkennbare Tonhöhenunterschiede oder durch das Lernen in ganzen Sätzen differenziert werden. Deshalb ist es gerade im Japanischen sehr wichtig, Wörter von Anfang an nur im Kontext zu lernen. Durch den Satzzusammenhang ist es meist unmissverständlich, welche Bedeutung ein Wort hat. So lernen Sie die Bedeutungen der Wörter, ggf. Mehrfachbedeutungen sowie die Grammatik intuitiv und mit Spaß.

Pärchen lernt Fremdsprache nach der Birkenbihl-Methode

KOREANISCH

Das koreanische Alphabet (Hangul/Hanguel) könnten Sie in nur zwei Stunden lernen. Es ist recht einfach, da es aus nur 10 Vokalen und 19 Konsonanten besteht. Es gibt also auch nicht viele koreanische Schriftzeichen zu lernen. Und auch wenn die Doppelvokale dazukommen, handelt es sich um ein eher einfach zu erlernendes Schriftsystem mit wenigen zentralen Buchstaben. Auch die Grammatik ist einfach. Über Geschlecht oder Anzahl muss man sich bei den Verben keine Gedanken machen. „Sie geht“ und „er geht“ werden beispielsweise beide gleich konjugiert. Etwas anspruchsvoller wird es nur, wenn die Person, mit der Sie sprechen, älter oder in einer höheren Position ist. Zum Koreanischlernen ist das De-Kodieren also besonders gut geeignet.


RUSSISCH

Die russische Aussprache kann für jemanden, der gerade anfängt Russisch zu lernen, eine wahre Herausforderung sein. Hinzu kommt, dass in russischen Standard-Wörterbüchern keine Lautschrift zu den russischen Wörtern zu finden ist. Und obwohl die Regeln zur russischen Aussprache recht strikt sind, so sind sie zugleich kompliziert und enthalten sehr viele Ausnahmen. Der Buchstabe „a“ z. B. kann auf fünf unterschiedliche Arten ausgesprochen werden. Sich all diese Ausspracheregeln zu merken ist sehr mühsam. Viel einfacher ist es, mit der Birkenbihl-Methode zu lernen. Nach dem De-Kodieren sollten Sie eine native Aufnahme des Textes anhören. Lesen Sie zuerst die De-Kodierung mit („Aktiv Hören“). Später können Sie den russischen Text mitlesen. Danach lesen Sie gar nicht mehr mit, sondern hören den fremdsprachigen Text ausschließlich passiv im Hintergrund („Hintergrund-Hören“ oder „Passiv Hören“).

Außerdem ist die Grammatik der russischen Sprache komplex. So werden nicht nur Verben konjugiert, sondern auch anderen Wörtern Endungen hinzugefügt, die über Zeit, Person und Zahl informiert. Um dem mühsamen Regellernen zu entgehen, empfehlen wir das De-Kodieren der Wörter in die ursprüngliche Form (z. B. Infinitiv eines Verbs, wie „zu fragen“). Die Endungen können Sie entweder übersetzen (wenn das in Ihrer Muttersprache möglich ist) oder Sie übersetzen sie nicht, sondern führen diese in der zweiten Zeile (De-Kodierung in die Muttersprache) erneut an. So bekommen Sie mit der Zeit ein Gefühl für die Grammatik und die Anwendung der Wörter – ganz ohne Grammatik zu pauken. Möchten Sie gerne Regeln lernen? Natürlich verbietet die Birkenbihl-Methode das nicht. Doch sie empfiehlt, zuerst ein Gefühl für die Sprache aufzubauen und sich erst im nächsten Schritt mit den Regeln dahinter zu befassen. Denn erst, wenn Sie den Inhalt und die Wörter eines Satzes verstehen, können Sie auch die Regeln nachvollziehen und verinnerlichen.


CHINESISCH

Die Erklärung geht hier mehr ins Detail, weil wir selbst mit der Sprache Erfahrungen sammeln konnten.

Chinesisch ist zum De-Kodieren auch besonders gut geeignet. Denn Chinesisch ist eine von den wenigen Sprachen, in der Sätze ausschließlich mit Verben im Infinitiv und Nomen im Singular gebildet werden.

Beispiel:
Auf Deutsch sagen wir: „Ich frage ihn“ und „Du magst ihn“.
Chinesen sagen: „Ich fragen er“ und „Du mögen er“.

Das chinesische Wort bleibt immer in der Original-Form. Denn Chinesisch hat keine Grammatik in dem Sinn, dass Wörter wegen Zeitformen und Fällen verändert werden. Russisch, Türkisch, Spanisch und Deutsch sind hingegen gute Beispiele für Sprachen, die noch weiter entschlüsselt werden müssen. Denn dank den Konjugationen, Plural-Formen und Fällen sehen Wörter immer anders aus. So auch die Zeitformen. Sprechen Sie im Chinesischen der in Vergangenheit, wird nach dem Verb lediglich ein Partikel (了, „le“) angehängt, der so viel bedeutet wie „getan“.

Beispiel:
Auf Deutsch sagen wir: „Ich habe dich gefragt“.
Auf Chinesisch sagen wir: „Ich fragen du getan“.

Viele sagen, Chinesisch ist eine Silbensprache. Vera F. Birkenbihl sagte in Ihrem Seminar „Von Null Ahnung zu etwas Chinesisch“ darauf: „Glauben Sie ihnen nicht“. Warum? Chinesische Wörter können aus einem Schriftzeichen (somit einem Wort) oder aus mehreren bestehen. Es handelt sich dabei jedoch nicht um Silben, sondern um Wörter. Das Problem beim reinen Vokabelnpauken ist, dass Sie das „fertige“ Wort vorgesetzt bekommen und die Hintergründe zur Entstehung des Wortes nicht mitbekommen. Doch wäre es so viel einfacher und interessanter, es wirklich zu verstehen. Vera F. Birkenbihl nennt die zusammengesetzten Wörter „Wort-Addition“. Hier ein Beispiel:

Mandarin:人力车
Pinyin:rénlìchē
wörtliche Übersetzung:Mensch-Kraft-Wagen
Bedeutung:= Rikscha
Mandarin:同志
Pinyin:tóngzhì
wörtliche Übersetzung:gleich-Ziel
Bedeutung:= der Genosse
Mandarin:中国
Pinyin:Zhōngguó
wörtliche Übersetzung:Reich-Mitte
Bedeutung:= China (das Reich der Mitte)

Chinesisch ist außerdem eine auf Kontext basierte Sprache ist. Das bedeutet: je mehr Inhalte man hat, desto klarer wird ein Wort, ein Satz oder sogar ein Paragraph. Wer mit Schriftzeichen beginnt, wird in der Welt gleich verloren gehen. Beginnen Sie lieber mit dem Verstehen und nutzen Sie die Ausspracheschrift bzw. Lautsprache Pinyin. Diese Lautsprache nutzt das lateinische Alphabet zur Beschreibung der Aussprache. Auch die unterschiedlichen Töne (5 gibt es im Chinesischen) werden damit angezeigt. Doch keine Sorge. Auch diese Töne sind nicht so entscheidend, wie man gerne behauptet.

„Küssen” und „fragen” (= wen) unterscheiden sich nur durch ihren Ton. Wěn (dritter Ton) heißt küssen, während wèn (vierter Ton) fragen heißt. Zu unangenehmen Missverständnissen muss es aber trotzdem nicht kommen.

Wenn man einfach die Wörter einzeln ausspricht, unterscheiden diese sich natürlich nur durch die Betonung. Doch der Kontext im Satz lässt keine Verwechslungen zu. Wenn ich jemandem einen Kuss geben möchte, dann heißt das:

Mandarin:我可以吻你吗?
Pinyin:Wǒ kěyǐ wěn nǐ ma?
wörtliche Übersetzung:Ich kann küssen du ma (Fragewort)?
Bedeutung:Kann ich dich küssen?

Wenn ich eine Frage stellen möchte:

Mandarin:我可以问你一​个​问题吗?
Pinyin:Wǒ kěyǐ wèn nǐ yī gè wèntí ma?
wörtliche Übersetzung:Ich kann fragen du eins-ge (Zählwort) Frage ma (Fragewort)?
Bedeutung:Kann ich dir eine Frage stellen?

Sobald man Chinesisch ohne Zusammenhang (nur auf Schriftzeichen und Vokabular basiert) lernt, wird man feststellen, dass die Zeichen und Wörter so viele Bedeutungen haben, und sich die Klänge so ähnlich sind, dass man kaum eine Chance hat, ein Wort genau richtig auszudrücken oder gar zu wählen. Wenn man aber Chinesisch in einem Zusammenhang lernt, d. h. mit ganzen Sätzen, ist es die einfachste Sprache der Welt. Und das Risiko, missverstanden zu werden, sinkt erheblich.

Mit der Birkenbihl-Methode bzw. dem De-Kodieren lernen Sie erstmal gar nicht, wie man „大“ (=groß) schreibt. Sie lernen auch nicht einzeln, wie man „groß“ auf Chinesisch sagt. Sie lernen einen vollständigen Satz:

Mandarin:你今年多​大?
Pinyin:Nǐ jīnnián duō dà?
wörtliche Übersetzung:Du dieses Jahr wieviel groß?
Bedeutung:Wie alt bist du (dieses Jahr)?

Sie verstehen, was die einzelnen Wörter bedeuten. Dennoch bilden Sie damit noch keine neuen Sätze. Stattdessen lernen Sie weitere Sätze:

Mandarin:我在上海大学工作
Pinyin:Wǒ zài Shànghǎi dàxué gōngzuò.
wörtliche Übersetzung:Ich in Shanghai Universität Arbeit
Bedeutung:Ich arbeite an der Shanghai Universität.

Hier lernen Sie, dass „daxue“ die Bedeutung „Universität“ hat.  Einzeln bedeutet „da“ jedoch groß, wie wir aus dem 1. Satzbeispiel wissen. „xue“ bedeutet Schule. Eine große Schule ist also eine „Universität“. So verstehen Sie, wie Wörter aufgebaut sind. Gleichzeitig lernen Sie auch, wie Sätze gebildet werden. Im Chinesischen ist das super einfach. Der Satzbau ist nämlich sehr einfach gehalten und ist immer gleich.


Wie eine Sprache aufgebaut ist – ob fremdes Schriftsystem oder nicht – wird durch die De-Kodierung sichtbar. Das ist unheimlich spannend und motiviert fortlaufend, tiefer in die Fremdsprache einzutauchen.

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Content Managerin und Bloggerin Katharina Rucker beschäftigt sich seit 2011 intensiv mit der Birkenbihl-Methode sowie den Kreativtechniken und Denktools von Vera F. Birkenbihl. Seit 2014 arbeitet sie als selbstständige Online & Performance Marketerin: www.rucker-marketing.at

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